Lebenslanges Leid
Qualzuchten beliebter Rassen wie Franz. Bulldoge und Faltohrkatze
Hunde, Katzen und Kaninchen müssen ihr Leben lang leiden, weil Menschen sie nach ihren optischen Wünschen „designen“. Man spricht dann von sogenannten Qualzuchten. Hinzu kommt, dass Modehunde wie z. B. die süßen Teacup-Hündchen in Social Media wie ein schickes Accessoire vorgeführt werden oder Superstars wie Taylor Swift mit ihren Scottish Fold Katzen posieren und damit einen regelrechten Hype auslösen. Weil es viele niedlich finden und es den Kunden gefällt, vermehren Züchter*innen solche Rassen immer weiter. Doch das Bewusstsein für das damit einhergehende Leid fehlt leider weitgehend in unserer Gesellschaft.
Was bedeutet nun Qualzucht genau? Damit ist gemeint, dass Tiere aufgrund ihrer angezüchteten Merkmale ein Leben lang unter Schmerzen und gesundheitlichen Schäden leiden. Nicht nur die Gesundheit, sondern auch Verhaltensweisen und die natürliche Anpassungsfähigkeit der Tiere wird maßgeblich beeinflusst. Das Tierschutzgesetz ist jedoch in Sachen Qualzucht bisher nicht eindeutig genug. Eigentlich sind sie verboten, wenn dadurch bei den Tieren erblich bedingt Körperteile oder Organe fehlen, diese untauglich oder umgestaltet sind und somit Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Aufgrund dieser vagen Definition gab es bislang Schwierigkeiten, die Qualzuchten rechtlich zu verfolgen. Doch die Novellierung des „Qualzuchtparagraphen“ mit einer Erweiterung und Konkretisierung steht vor der Tür. Unter anderem hat eine Sachverständigengruppe zur Auslegung folgendes Merkmale für Qualzuchten beschrieben:
Kurzköpfige Hunde bekommen schwer Luft
Einer unserer inzwischen vermittelter Schützling Indira ist zwar eine tolle und liebe Hündin, leidet aber als Englische Bulldogge unter rassetypischen Gesundheitsprobleme wie Atem- und Gelenkbeschwerden. Fellnasen wie der Mops oder die Französische sowie eben auch die Englische Bulldogge begeistern viele Menschen zwar mit ihrem Aussehen, das dem Kindchen-Schema entspricht: dunkle, große Kulleraugen, extrem flache Schnauze, runder Kopf und kurze Beine. Doch für das vermeintlich niedliche Erscheinungsbild bezahlen sie mit häufig auftretenden Haut-, Ohren- und Augenproblemen sowie Kiefer-, Zahnfehlstellungen und Gelenkproblemen. Der Großteil leidet aber vor allem unter Atemnot. Dies kann beim Rennen oder höheren Temperaturen gefährlich werden. Ein Problem das angesichts der immer heißer werdenden Sommern bei uns vermehrt auftritt. Es ist somit nicht ungewöhnlich, dass diese Hunderassen dann kollabieren und versterben. Aufgrund des kompakten Körperbaus liegen außerdem Wirbelsäulenfehlstellungen vor, die häufig zu Bandscheibenvorfällen führen. Die Liste der gesundheitlichen Probleme bei Möpsen ist besonders lang und auch die Chihuahuas können extrem unter den Folgen ihrer Zucht leiden: So treten Herzklappenfehler gehäuft auf, sie sind anfällig für Kniescheiben- Luxationen und leiden unter Gelenkerkrankungen. Zu den Qualzuchten zählen noch einige andere Hunderassen u.a. auch die Shar Pei. (siehe den Bericht über unseren in Pflege befindlichen Schützling Herkules)
Faltohrkatzen haben massive Knorpelschäden
Auch Katzen wie Scottish Fold, Sphinx oder Perser leiden unter den Folgen der Qualzucht. Ein gutes Beispiel hierfür ist unser ehemaliger Schützling Norbert, der in einem verknoteten Stoffbeutel ausgesetzt worden war und rassetypische, gesundheitliche Probleme aufwies. Unsere Vermutung mit Blick auf viele ausgesetzte und abgegebene Haustiere mit Qualzuchtmerkmalen – ob Katze, Hund oder auch Kaninchen – Sie verursachen aufgrund ihrer Krankheiten hohe Tierarztkosten. Ein weiteres Beispiel: In der Nacht von 23. auf 24. Mai 2024 wurden zwei weibliche Katzen und ein Kater (darunter zwei Scottish Fold) einfach in einen unserer Hundeausläufe geworfen.
Den Perserkatzen wie Norbert wurde im Laufe der Zeit ein immer kürzerer Kopf angezüchtet. Samtpfoten wie die Scottish Fold haben nach vorne abgeknickte Ohren und gelten damit als „goldig“. Hinter den gefalteten Ohren steckt jedoch eine schwere Erbkrankheit, die das Knochen- und Knorpelgewebe verändert – und zwar nicht nur an den Ohren, sondern insbesondere auch in den unteren Extremitäten. Dadurch können massive, dauerhafte Schmerzen und Leiden verursacht werden. Faltohrkatzen können darüber hinaus auch schlecht hören und kaum mit ihren Artgenossen kommunizieren. Zu den Qualzuchten zählen ebenso die Sphinx- oder Nacktkatzen. Da sie kaum oder kein Fell haben, fehlt ihnen die natürliche Schutzfunktion vor Witterungseinflüssen. Ein weiteres Problem sind die verkrüppelten oder fehlenden Schnurrhaare. Schwanzlose oder Katzen mit Stummelschwanz haben nicht nur erhebliche Einschränkungen beim Laufen, Springen und Klettern, sondern manche leiden unter Stuhl- und Harninkontinenz oder Lähmungen. Weiße Katzen sind häufig schwerhörig oder taub – betroffen sind verschiedene Rassen, beispielsweise Perser, Türkische Angora sowie Russian White. Achtung: Hybridkatzen wie Bengal und Co. sind für viele Halter*innen eine Herausforderung. Denn die meisten unterschätzen die Wildtiereigenschaften. Die Züchtungen haben auch noch in späteren Generationen einen starken Jagdtrieb und sind nacht- und dämmerungsaktiv.
Zwergkaninchen haben massive Zahnprobleme
Das ist zum Abschluss noch die Geschichte von Daku: Das Leid des Zwergwidderkaninchens ist ebenfalls beispielhaft für das der vielen anderen, die nach dem Tierschutzgesetz als Qualzuchten einzustufen sind. Und das gilt sogar im doppelten Maße. Zum einen war der kleine Kerl ein Zwergkaninchen mit einem zu kleinen Kopf, der häufig für angeborene Fehlstellungen der Zähne und damit verbunden auch schwerwiegenden Gesundheitsproblemen verantwortlich ist. Daku kam mit massiven Zahnentzündungen zu uns und ein CT ergab, dass leider die Zähne bereits komplett zerstört und auch der Kieferknochen verändert war. Einschläfern oder eine komplizierte Operation standen zur Wahl. Wir entschieden uns für den riskanten Eingriff. Der kleine Kerl hatte die OP zwar gut überstanden, ist schlussendlich aber doch an den Folgen gestorben. Daku war auch ein Widderkaninchen. Diese Rasse leidet häufig unter Ohrenerkrankungen. Schuld daran sind die herabhängend gezüchteten Ohren. Schmalz kann so nicht richtig abtransportiert werden und durch die schlechte Belüftung treten Entzündungen auf. Widderkaninchen sehen und hören auch schlechter als Stehohrkaninchen. Nicht nur Widder- und Zwergkaninchen zählen aber zu den Qualzuchten, sondern auch Satinkaninchen und gescheckte Kaninchen, die u. a. unter Verdauungsproblemen und Veränderungen der Nebennierenrinde leiden. Ebenso Rexkaninchen, Albinokaninchen und Langhaarkaninchen wie Angoras. Letztere neigen z.B. zu Verdauungsstörungen durch die Haarballen.
Im Sinne des Tierschutzes bitten wir daher dringend, von dem Kauf von Hunden, Katzen sowie Kaninchen, die als Qualzucht gelten, abzusehen und schließen uns den Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes an:
- Eine rechtlich verbindliche Verordnung, die klar definiert, was als Qualzucht gilt
- Ein Verbot für die Zucht, die Haltung, den Import und den Verkauf von Qualzuchten
- Ein härteres Durchgreifen der Kontrollbehörden
- Die Schaffung einer EU-weit einheitlichen Regelung für die Haltung und Zucht von Heimtieren.
- Ein klares Verbot von Qualzuchten in allen EU-Staaten.