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Der Igel – Tier des Jahres 2024 – ist immer mehr auf Hilfe angewiesen

Vom Klimawandel und dem Menschen bedroht

Der Igel – Tier des Jahres 2024

Wer sich buchstäblich einigelt ist nur vermeintlich sicher: Inzwischen wurde nämlich der Igel, Tier des Jahres 2024, von der Weltnaturschutzunion in der sogenannten „Roten Liste“ der bedrohten Arten als potenziell gefährdet eingestuft. Versiegelte Flächen, Schottergärten, intensive Landwirtschaft – für den kleinen, niedlichen Kerl wird der Lebensraum immer knapper. Früher lebte der Igel vor allem auf dem Land. Heute trifft man den Winterschläfer, der seit 65 Millionen Jahren auf der Erde lebt und damit zu den ältesten Säugetiere zählt, in Siedlungsgebieten mit Gärten und Grünanlagen. Immer mehr Igel werden durch die Unachtsamkeit von Menschen verletzt oder gar getötet. Auf deutschen Straßen sterben jedes Jahr eine halbe Million Igel. Und auch Mähroboter werden zum Verhängnis für die Stacheltiere. Darüber hinaus kann sich der gelbe Sack für die nachtaktiven Tiere als tödliche Falle entpuppen. Die Igel kriechen auf Futtersuche hinein, können sich festklemmen oder finden häufig keinen Ausweg und werden sodann von der Müllabfuhr mitgenommen.

Auch der Klimawandel mit seinen zu trockenen und zu heißen Sommer trägt ein Übriges dazu bei, dass der Bestand inzwischen gefährdet ist. In der Dürre findet der Igel oftmals weder etwas zu trinken noch zu fressen. Komplett dehydriert und ausgehungert werden sie dann zu uns ins Tierheim gebracht und müssen, bis sie wieder ausgewildert werden können, aufgepäppelt werden. Eine weitere fatale Folge des Klimawandels: Bei zu milden Temperaturen wachen die Igel mehrfach aus ihrem Winterschlaf auf und verbrauchen somit zu viel Energie. Immer mehr der stacheligen Kerlchen kommen darüber hinaus ohne Hilfe nicht mehr unbeschadet über den Winter. Ein Jungtier sollte nämlich im Spätherbst mindestens 500 Gramm und ein erwachsenes 1000 Gramm wiegen. Im Tierheim steht übrigens ein Igelschrank mit zehn getrennten und ausgepolsterten Abteilungen als Pflegestation und als Winterquartier zur Verfügung.

In diesem Herbst standen wir vor einer besonderen Herausforderung: An die 100 der kleinen Kerle mussten von uns sowie in der Igelstation von Anette Lampart und auf diversen Pflegestellen versorgt werden. Dabei handelte es sich überwiegend um Jungtiere, die für diese Jahreszeit viel zu klein waren und oftmals kaum 100 bis 150 Gramm wogen. Wir vermuten, daß der Kälteeinbruch Ende September die Igelmütter veranlaßt hatte, die Kleinen zu verlassen, um schnell selbst das Winterschlafgewicht anzufuttern und ein Nest zu bauen.

Wenn der stachelige Vierbeiner überleben soll, müssen wir Menschen umdenken und einiges tun: Gärten sollten naturnah mit einheimischen Pflanzen und Wildkräutern, um Insekten anzulocken, gestaltet werden. Im Herbst bitte Laub und Baumschnitt unter Hecken, Gebüsch oder als Haufen einfach liegen lassen. Abends kann insbesondere im Herbst ein Schälchen mit hochwertigen Katzennassfutter rausgestellt werden. Aber bitte keine Milch geben, davon bekommen die stachligen Vierbeiner Durchfall. Im Sommer sollte immer Wasser angeboten werden, der Mähroboter nur tagsüber angestellt und der gelbe Sack immer erst am Tag der Abholung rausgestellt werden.

In den letzten Jahren wurden rund 300 verletzte, kranke oder untergewichtige Igel jährlich im Tierheim und auf Pflegestellen versorgt. Und wie wir diesen Herbst gesehen haben, werden es immer mehr. Wie erkennt man nun, ob der Igel krank ist oder anderweitig Hilfe braucht:

Unterernährter Igel

  • wurstförmiger Körper,
  • eingefallene Flanken
  • deutliche Einbuchtung hinter dem Kopf.
  • Ein gesunder, wohlgenährter Igel ist birnen­förmig: vorne schmal und hinten dick.

Kranker Igel

  • läuft oder liegt meist tagsüber herum
  • ist apathisch
  • ist mager und hat eingefallene Augen
  • röchelt stark, sondert Schleim ab und/oder leidet an Durchfall,
  • ist sehr schwach und wird häufig schon von Fliegen umschwärmt oder ist von vielen Maden befallen.

Verwaistes Igelbaby

  • läuft tagsüber außerhalb des Nestes herum
  • Augen und Ohren geschlossen
  • oft unterkühlt.

Ein nach Wintereinbruch aktiver Igel sowie verletzte Tiere brauchen ebenfalls unsere Hilfe. Die Pflege ist für einen Laien jedoch nicht einfach, daher ist es sinnvoll, sich Rat bei uns oder bei Igelhilfen/Igelstationen zu holen.