Vorsicht giftig!
Vergiftung – ein Wort, das bei allen Tierbesitzer*innen ein Schaudern auslöst. Doch nicht immer müssen Vergiftungen von anderen mutwillig zugefügt werden. Auch in unserem Alltag lauern Gefahren für unsere Lieblinge, die nicht unterschätzt werden sollten.
So sind manche Lebensmittel, die für uns Menschen völlig unschädlich sind, für Tiere nicht verträglich oder sogar giftig. Beispiele dafür sind Weintrauben und damit auch Rosinen, Zwiebeln, Avocado oder Rhabarber, ganz zu schweigen von Koffein oder Alkohol. Auch Schokolade ist durch das im Kakao enthaltene Theobromin für Tiere giftig. Theobromin stimuliert das Nervensystem, was bei uns Menschen als positiv wahrgenommen wird. Das Nervensystem unserer Haustiere reagiert jedoch viel sensibler auf diese Substanz, was dann im Falle einer Vergiftung zu neurologischen Ausfallserscheinungen führt. Prinzipiell gilt: Je dunkler die Schokolade, desto mehr Theobromin ist enthalten. Im konkreten Fall heißt das, dass bereits eine halbe Tafel Zartbitter-Schokolade für einen 10kg Hund hochgiftig sein kann, wohingegen die gleiche Menge an Milchschokolade keine schlimmen Symptome auslösen sollte.Im Fall der Fälle existieren im Internet Schokoladenrechner, die zur Orientierung dienen können, ob Ihr Tier eine kritische Menge zu sich genommen hat.
Vorsichtig sollten Hundebesitzer*innen auch mit Xylitol (Birkenzucker) umgehen, einem Zuckerersatzstoff, der in vielen verarbeiteten Lebensmitteln, wie zum Beispiel Kaugummi, Keksen oder in Bonbons enthalten ist. Genau wie Schokolade schmecken diese Süßigkeiten unseren Hunden sehr gut, allerdings führt das enthaltene Xylitol bei ihnen zu einem lebensbedrohlichen Absinken des Blutzuckerspiegels. Wenn beispielsweise ein 10 kg Hund fünf xylitolhaltige Kaugummis frisst, kann es zu Symptomen wie einem schwankenden Gang und Koordinationsstörungen kommen, die Aufnahme von 25 Kaugummis kann bereits tödlich enden. Bei Katzen wiederum zeigt Xylitol keine Wirkung.
Doch nicht nur in der Küche lauern Gefahren. Medikamente der Humanmedizin, wie beispielsweise die Schmerzmittel Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac (Voltaren) sind für unsere Lieblinge hoch toxisch. Aus diesem Grund sollten Medikamente immer unzugänglich für unsere Vierbeiner aufbewahrt werden. Das gilt im Übrigen auch für Tierarzneimittel. Diese sind aus Gründen der besseren Akzeptanz häufig so verarbeitet, dass sie den Tieren gut schmecken, was zur Aufnahme von viel zu großen Mengen führen kann. Außerdem sollte im Krankheitsfall niemals einfach zu einem Human-Präparat gegriffen, sondern immer eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.
Eine weitere Quelle für Vergiftungen bei unseren Haustieren stellen Zimmerpflanzen dar. Viele der weit verbreiteten Sorten sind giftig, wie etwa der zur Adventszeit beliebte Weihnachtsstern, die Amaryllis, Aloe Vera, Lilien, Tulpen und Narzissen. Doch nicht nur der Verzehr von Pflanzenteilen ist kritisch, es reicht bei manchen Sorten aus, wenn die Tiere das überstehende Gießwasser oder zugeführte Düngemittel aufnehmen. Hohe Übertöpfe können hier Abhilfe schaffen, besser noch wäre es, gar keine giftigen Pflanzen oder Düngemittel im Haushalt zu haben.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr durch Putzmittel. Die meisten von ihnen enthalten sogenannte Tenside, also waschaktive Substanzen. Diese sind nicht hochgradig giftig, jedoch wirken sie reizend auf den Magen-Darmtrakt und können Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen auslösen. Der Schaum kann außerdem in die Atemwege gelangen und dort zu Atemwegsbeschwerden oder schweren Lungenentzündungen führen. Auch hochgiftige Chemikalien, wie Ammoniak, Chlor oder Benzalkoniumchlorid, sind nicht selten in Reinigungsmittel enthalten. Am besten wäre es daher, wenn jegliche Haustiere beim Hausputz in einen abgesonderten Raum gesperrt werden.
Falls es trotz aller Vorsicht doch einmal zu einer Giftaufnahme kommt, ist schnelles Handeln gefragt. Im Zweifelsfall sollte immer tierärztlicher Rat eingeholt werden und nicht darauf gewartet werden, ob Symptome auftreten. Dieser kann das Tier, wenn die Aufnahme erst vor Kurzem erfolgt ist, erbrechen lassen, sodass das Gift erst gar nicht vollständig aufgenommen wird. Das Erbrechen wird durch ein Medikament ausgelöst, das in der Regel gut verträglich ist. Keinesfalls sollte zu Hause versucht werden, das Erbrechen auszulösen, da dies bei einigen Stoffen sogar zur Verschlechterung oder Komplikationen führen kann. Zusätzlich zum Erbrechen lassen wird meist Aktivkohle eingegeben, die die Resorption der giftigen Substanz im Verdauungstrakt herabsetzt. So besteht die Chance, dass es erst gar nicht zum Auftreten von Symptomen kommt. Das Tier muss jedoch in den nächsten Stunden gut beobachtet werden. Treten bereits Symptome auf, wird meist eine Infusionstherapie durchgeführt und je nach Art der Symptome individuell behandelt. In diesen Fällen ist in der Regel auch ein stationärer Aufenthalt erforderlich, bis es dem Tier wieder gut geht. Für manche Gifte gibt es auch ein spezifisches Gegenmittel, das eingesetzt werden kann. Bei einer beobachten Giftaufnahme ist es daher wichtig, dass mitgeteilt wird, was genau vom Tier aufgenommen wurde und in welcher Menge. Es ist zudem hilfreich ein Foto zu machen, wenn zum Bespiel Pflanzen aufgenommen wurden oder die aufgenommene Substanz direkt mitzubringen.
Manchmal geschieht eine Giftaufnahme jedoch auch unbemerkt und Halter*innen werden erst aufmerksam, wenn das Tier Symptome zeigt. Typische Anzeichen können vermehrter Speichelfluss, Erbrechen, ein gekrümmter Rücken, der auf Schmerzen im Bereich des Bauchraums hinweist, Unruhe, Zittern und vermehrtes Hecheln sein. Auch Haut- und Schleimhautreizungen können durch Giftstoffe hervorgerufen werden, vor allem im Bereich des Mauls. Durch eine Beeinflussung des Nervensystems kommt es nicht selten zu unkoordinierten Bewegungen oder gar Krampfanfällen, in schlimmen Fällen bis hin zum Kreislaufschock oder Koma. Bei Auftreten der genannten Symptome sollte demnach schnellstmöglich eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Im Falle von Krämpfen sollten umliegende Gegenstände möglichst entfernt werden, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Dies gilt auch für den Transport zur Praxis. Da das Tier seine Bewegungen nicht koordinieren kann, besteht auch eine Verletzungsgefahr für die BesitzerInnen und es sollte Abstand gehalten werden. Es sollte versucht werden, beruhigend auf das Tier einzuwirken, zum Beispiel, indem man leise mit ihm redet.
Zusammengefasst: Prävention ist das A und O beim Schutz vor Vergiftungen Ihrer Vierbeiner. Das bedeutet: potenzielle Giftquellen kennen und geeignete Maßnahmen ergreifen, die eine Aufnahme der Substanzen verhindern. Sorgen Sie in einem Haushalt mit Tieren dafür, dass sich darin keine giftigen Pflanzen befinden und Medikamente, Reinigungsmittel und potenziell giftige Lebensmittel für das Tier unzugänglich gelagert werden.Bei sehr verfressenen Hunden ist es außerdem hilfreich ein “Anti-Staubsauer-Training" zu absolvieren, welches auch in Bezug auf eine mögliche Giftköderaufnahme auf dem Spaziergang helfen kann. Im Zweifelsfall kann auch ein Maulkorb eine Aufnahme verhindern. Sollte es trotzdem zu einer Giftaufnahme kommen, ist Ihre Tierarztpraxis immer die erste Anlaufstelle und sollte so schnell wie möglich konsultiert werden – schon wenige Minuten können hier einen großen Unterschied machen! Weitere Informationen zu potenziell toxischen Substanzen finden Sie im Internet, in Fachbüchern oder bei Giftzentralen bzw. beim Giftnotruf, der sich nicht nur mit Vergiftungen in der Humanmedizin, sondern auch mit giftigen Substanzen für unsere Vierbeiner auskennt.