Mogli und Murmel
Mit drei Beinen auf Schmetterlingsjagd im Garten
Angefangen hat alles mit einer Fernsehsendung. Damals hatte der SWR3 eine Woche lang im Tierheim Esslingen gedreht – natürlich auch im Katzenhaus. Ich habe eigentlich Katzen seit ich denken kann, persönliche Lebensumstände und ein Umzug hatten aber dazu geführt, dass ich schon eine Weile ohne Samtpfoten lebte. Allerdings schwirrte der Wunsch nach einer Katze immer wieder in meinem Kopf herum…deswegen verfolgte ich den Beitrag interessiert und glaube, dass es Schicksal oder einfach ein glücklicher Umstand war, dass ich diese Sendung gesehen habe.
Jedenfalls hat mich der Beitrag über das Katzenhaus mit der Geschichte einer Katzenmama und ihren fünf Kitten nicht mehr losgelassen. Sie, eine Fundkatze, hatte im Tierheim die Kleinen zur Welt gebracht. Tragische Umstände führten dazu, dass zwei Kätzchen jeweils nur eine Hinterpfote haben. Nach ein paar Tagen habe ich dann im Tierheim angerufen und gefragt, ob ich die beiden dreibeinigen Kitten mal anschauen dürfte. Die nette Mitarbeiterin hat mit mir einen Termin ausgemacht und ich konnte es kaum erwarten.
Als es endlich soweit war, wurde ich sehr freundlich empfangen und ins Katzenhaus geführt. Was soll Ich sagen? Es war Liebe auf den ersten Blick!!! Ein Knäuel von winzig kleinen, schwarzen Kitten wuselte durch das Quartier der Katzenfamilie. Es war unmöglich zu erkennen, welche der Fünf nur drei Pfötchen haben. Sie waren schnell wie der Blitz, haben sich gejagt und getollt- herrlich!!!
So nach und nach wurde es ruhiger, die Kitten sind zum Schnuppern und Schmusen gekommen. Da war dann deutlich zu sehen, welche ein Handicap haben. Eines der dreibeinigen Kitten ist komplett schwarz, das andere hat einen winzigen weißen Fleck an Kehle und Bauch. Für mich war sofort klar, beide zu mir zu nehmen. Das Tierheim und ich waren uns sehr schnell einig darüber, dass die „Käfer“ zu mir kommen und wir haben noch am selben Tag einen Termin vereinbart, um sie in ihr neues Zuhause abzuholen. Als es dann soweit war, hab ich die Kitten spontan auf Mogli und Murmel getauft.
Sie haben sich sehr schnell eingelebt und wohl gefühlt. Allerdings vertrauen sie nur meinem Partner und mir. Sobald es klingelt oder sie fremde Stimmen hören, rennen sie in meinen Kleiderschrank und verstecken sich da. Der steht jetzt immer offen, weil Mogli und Murmel wissen, dass ihnen da nichts passieren kann, dass auch niemand reinschauen darf: „ SAFE HOUSE!“
Nachdem wir vom Dachgeschoss ins Erdgeschoss gezogen sind, war uns klar, dass wir für unsere Samtpfoten den Garten katzensicher gestalten wollen. Im April war es dann soweit- der erster Ausflug der Handicats ins Grüne. Zuerst zögerlich, dann immer mutiger haben sie ihr neues Revier erkundet. Murmel war neugieriger, Mogli eher ängstlich. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Murmel chillt meistens unterm Tisch, legt sich in die Sonne, Mogli hingegen hat sich zu einer richtigen Abenteurerin gemausert. Sie jagt Schmetterlinge, Blätter- leider auch Vögel- , flitzt auf Bäume und kann es morgens kaum erwarten, dass die Terrassentür geöffnet wird. Murmel hingegen frühstückt zuerst ausgiebig, bevor sie nach draußen schlendert.
Für manchen mag es ganz schön ungewöhnlich sein, dass meine Katzen so scheu und ängstlich auf Besuch, fremde Geräusche, etc. reagieren. Tatsächlich hatte ich noch nie solch ängstliche Katzen – aber ich akzeptiere meine „Käfer“ genauso wie sie sind. Der Start ins Leben war für Mogli und Murmel holprig, was sie sicher geprägt hat. Ich habe mir jedoch bewusst die Beiden ausgesucht, weil ich gerade ihnen ein möglichst schönes, gemeinsames Katzenleben ermöglichen wollte. Ich genieße die Momente, in denen meine „Käfer“ mir um die Füße streichen, mich „anmiauen“ und mit ihren riesigen Kulleraugen anschauen….
Es hat über ein Jahr gedauert, bis sie sich abends entspannt zu mir auf die Couch gelegt haben und schnurrend in meinem Arm eingeschlafen sind. Da geht mir das Herz auf, da weiß ich, dass sich meine Geduld gelohnt hat. Ich frage mich manchmal, was wäre, hätte ich diese Sendung damals nicht gesehen….Hätten Mogli und Murmel es schön? Dürften sie zusammen sein oder hätte man sie getrennt? Wären sie womöglich noch im Tierheim? Jemand sagte einmal zu mir: “Weißt Du, sie sind doppelt gestraft, sie haben nicht nur drei Pfoten, sondern sind auch noch schwarz“ !
Für mich sind sie jedoch wunderschön und ich bin dankbar für die Zeit, die wir gemeinsam verbringen dürfen. In meinen Augen ist es nicht nur ein Happy End für Mogli und Murmel, sondern auch für mich!
Petra F.